
Herzlich willkommen zu den Stegreifen des Wintersemesters 2025/2026 mit dem Thema:
Entwerfen im Übergang – Orte als planetarische Gärten
Ausgehend von der Idee, unsere Umwelt – ob gebaut oder gewachsen – als planetarischen Garten* zu begreifen, untersuchen wir in diesem Kurs urbane Orte in Dortmund auf ihre gärtnerischen Qualitäten. Dabei steht der Garten nicht ausschließlich für einen von Pflanzen dominierten Raum, sondern vor allem für ein dynamisches Gefüge, ein Zusammenspiel unterschiedlichster Akteure, Materialien, Zeiten und Prozesse.
Gerade in Zeiten knapper Ressourcen und ökologischer Krisen erscheint die Vorstellung von Architektur als starres, abgeschlossenes Objekt sowie unsere verbreitete Praxis des Neubauens und Abrisses, um erneut neu zu bauen, zunehmend fragwürdig.
Der Versuch, die Welt als bereits existierenden planetarischen Garten zu verstehen und uns selbst als ihre Gärtner*innen, eröffnet eine Perspektive, die mit dem Bestehenden arbeitet, anstatt es zu ersetzen. In dieser Perspektive wird Entwerfen als ein sorgsamer, relationaler und fortwährender Prozess verstanden. Was das Gärtnerische im Entwerfen ist oder sein könnte, ist dabei noch offen und kann für dieses Semester als eine gemeinsame Suchbewegung verstanden werden.
Im Verlauf der Entwürfe werden wir dieser Frage nachgehen: im Beobachten unserer Umwelt als Garten, im Entdecken und Freilegen von Qualitäten, die uns gärtnerisch erscheinen, sowie im Transformieren von Orten aus einer gärtnerischen Perspektive heraus.
Im Garten herrschen – so die These – andere Regeln und Handlungsmuster als in der verbreiteten Architekturpraxis. Diese weichen von konventionellen Planungslogiken ab und könnten uns dadurch helfen, mit bestehenden Räumen anders umzugehen, ihre Qualitäten neu einzuordnen und somit andere Formen des Entwerfens zu ermöglichen. In der Architektur werden Zustände wie Unvollständigkeit, Verwilderung, Verfall, Mehrdeutigkeit, Vielschichtigkeit oder Uneindeutigkeit häufig marginalisiert oder als defizitär bewertet. Im Garten hingegen sind solche Erscheinungen selten ein Mangel, sondern Ausdruck von Lebendigkeit, Weiterentwicklung und Offenheit – und damit wertvolle Ressourcen.
Wie können wir lernen, diese Qualitäten auch aus unserer Perspektive als Gestalter:innen von Raum zu schätzen und eine „gärtnerische” Haltung einzunehmen? Wie können wir einen Umgang entwickeln, der mit diesen Zuständen, die sich oft über natürliche Prozesse in Orte einschreiben, arbeitet und sie in unsere Entwürfe integriert, statt sie auszublenden, abzureißen und immer wieder von vorn zu beginnen?
Ein*e planetarische*r Gärtner*in – zumindest so, wie Gilles Clément ihn bzw. sie versteht: als Gärtner, Landschaftsarchitekt und Philosoph – arbeitet stets aus einem Ort heraus, geht auf die jeweilige Situation ein und arbeitet mit dem Bestehenden. Gärtnern bedeutet reagieren, abwägen, zulassen und begleiten.
Wie können wir als Architekt*innen diese Perspektive einnehmen und statt aus der Ferne zu planen unmittelbar an den bestehenden Situationen ansetzen, um aus ihnen heraus eine Zukunft zu gestalten?
Als planetarische Gärtner*innen üben wir uns darin, das Entwerfen und Gestalten als Handlung zu verstehen, die eingreift, ohne einen Ort dominieren zu wollen; die gestaltet, ohne final vollenden zu müssen; und die den Wandel als aktiven Teil des Raums begreift.
Entwerfen wird so zu einer Haltung des In-Beziehung-Tretens – einer Praxis, die offen ist für das Unvorhergesehene und dazu einlädt, neue Strategien und eigenwillige Wege zu entwickeln und zu erproben.
Einführung und Ausgabe der 1. Aufgabe:
Dienstag den 21.10.2025, 9.00 Uhr, Pavillon 8, Raum 21
- Lehrende:r: Lilli Hanada