Einschreibeoptionen

Literaturwissenschaftlerinnen lesen Literatur. Gewiss, das scheint trivial; und doch erweist sich die Aussage bei näherer Betrachtung als nicht unproblematisch. Warum? Zunächst einmal deshalb, weil der Begriff ‹Literatur› unklar ist: Literatur, was ist das eigentlich? Eine Sache der Nachahmung (aber was machen Sie dann etwa mit dadaistischer Lyrik)? Ist Literatur dadurch zu definieren, dass sie fiktiv ist (aber das gilt auch für den Witz), dass sie das Dargestellte verfremdet (doch hat Sie nicht das generische Femininum im ersten Satz dieses Veranstaltungskommentars, der ja wohl kaum Literatur ist, befremdet)? Bleibt wohlmöglich keine andere Option, als Rekurs auf den Wittgenstein’schen Begriff der ‹Familienähnlichkeit› zu nehmen, um die mannigfaltigen Spielformen der Literatur unter einen Hut zu bringen? 

Aber noch aus einem anderen Grund erweist sich der erste Satz des Kommentars als problematisch. «Literaturwissenschaftlicherinnen lesen»: Aber was genau heißt ‹lesen› überhaupt. Gewiss doch wohl Entzifferung von einzelnen Zeichen, die zusammengesetzt Wörter, Sätze, einen Text konstituieren. Doch kann ein Literaturwissenschaftler hier stehen bleiben? Muss er nicht das Lesen selbst auch reflektieren? Eine Metaebene einnehmen, von der aus er sich bei der Lektüre beobachten kann, um so Rechenschaft darüber abgeben zu können, welche Operationen er beim Lesen vollzieht (das freilich setzt ein entsprechendes begriffliches Instrumentarium voraus)?


Selbsteinschreibung (Teilnehmer:in)
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