Klangfarbe ist neben der Tonhöhe, der Lautstärke und der Tondauer einer der Tonparameter, die als Empfindungsmomente untrennbar zum Tonempfinden gehören (Stumpf 1890, Tonpsychologie, Bd. 2). Der Begriff Klangfarbe erscheint erst im 19. Jh., die damit zusammenhängenden wahrnehmungspsychologischen und akustischen Fragen, die u.a. Hermann von Helmholtz (1863, Die Lehre von den Tonempfindungen) diskutierte, wurden erst in den zwanziger Jahren des 20. Jh. von Carl Stumpf für die Vokalklangfarben (1926, Die Sprachlaute) und seinem Assistenten Carl Erich Schumann (1929, Physik der Klangfarben) für den Klang der Musikinstrumente durch empirische Untersuchungen beantwortet.
Zeitgleich mit dieser Forschung formulierte Arnold Schönberg (1911, Harmonielehre) die "Zukunftsphantasie" der "Klangfarbenmelodien". Im 20. Jh. tritt die Klangfarbe gegenüber den anderen Tonparametern immer mehr in den Mittelpunkt kompositorischer Gestaltungsabsicht. In der Wahrnehmungspsychologie wird nun die Klangfarbe als multidimensionale, hochkomplexe Erscheinung angesehen (John M. Grey (1977), Multidimensional perceptual scaling of musical timbres, JASA 61(5), 1270-1277).
Durch die Klangsynthese mittels Synthesizern eröffnet sich heute eine geradezu unüberschaubare Vielfalt an klangfarblichen Gestaltungsmöglichkeiten. Durch Synthesizer-Software für Computer - teilweise sogar kostenfrei, wie z.B. VCV Rack - ist diese Technik heutzutage jedermann zugänglich.
Mit der freeware pure data, die der Mathematiker und Musiker Miller Puckette in der 80-er Jahren am Ircam in Paris entwickelte, können die technischen Grundlagen der Klangsynthese und damit der Computermusik studiert werden. Das Programm eignet sich aber auch zur Klanganalyse, etwa durch Filterbänke oder Fast-Fourier-Transform.


In dem Seminar werden behandelt:
• die akustischen Grundlagen der Klangfarbenempfindung;
• die historische Entwicklung des Begriffs Klangfarbe und der Klangfarbenforschung;
• Modelle der Klangfarbe aus den Bereichen der Akustik und der Wahrnehmungspsychologie;
• Analyse von Spektren durch FFT und Transienten durch Gabor-Transformation mittels pd;
• praktische Klangfarbensynthese mit dem Computer;
• eigene Kompositionsversuche.

Solfwareempfehlung: pure data http://puredata.info/downloads

Einführende Literatur:
Kreidler, Johannes (2009), loadbang - Programming Electronic Music in Pure Data, Hofheim: Wolke, http://www.pd-tutorial.com/german/
Puckette, Miller (2006), The Theory and Technique of Electronic Music
https://msp.ucsd.edu/techniques/latest/book.pdf
Muzzulini, Daniel (2006), Genealogie der Klangfarbe, Bern: Peter Lang