Leben wir in einer Sisi-Dekade (SZ vom 3.10.2022)? War Maria Callas der heilige Gral (FAZ vom 9.2.2025)? Erleben wir das Comeback einer Stilikone, wahlweise Jackie O. oder Lady Di (FAZ vom 1.2.2021)?

Folgt man diesen und ähnlichen Aufmachern der Tagespresse, so ist unsere Faszination für die genannten Celebrities nicht nur ungebrochen, sondern gegenwärtig von bemerkenswerter Hochkonjunktur. Sie werden bevorzugt als Stilikonen wahrgenommen und dargestellt, d.h. als Personen, deren Stil wir als vorbildlich und nachahmenswert betrachten. Hiermit sind freilich gleich mehrere Fragen aufgeworfen: Was macht den Stil einer Stilikone – weit über Kleidung und Mode hinaus – eigentlich aus? Warum sind gerade Sisi, Maria Callas, Jackie O. und Lady Di als Stilikonen in die Geschichte eingegangen? Wofür benötigen wir in einer Kultur berühmte und (weibliche) stilbildende Personen, die aus dem allgemeinen Diskurs hervorstechen? Was bedeutet es, solche Figuren medial zu erzeugen, und in welchen Formen der Biographik werden sie vermittelt? Und wie erklärt sich der auffällige Zusammenhang zwischen faszinierendem Stil, Geschlecht und einer Biographie, die sich der vollständigen Aufklärung letzlich entzieht?  

Um diesen und weiteren Fragen nachzugehen, werden wir das Thema der Stilikonen in der populären Biographik in historischer, kulturtheoretischer und medienkomparatistischer Hinsicht ausloten. Dabei kommen Aspekte der Gender und Diversity Studies zum Tragen, die theoretische wie analytische Zugänge zu den Stilikonen ermöglichen. Zentrale Figuren sind Sisi, Maria Callas, Jackie O. und Lady Di; auf dem Seminarprogramm stehen Romane und Audiobooks (u.a. Karen Duve, Sisi, 2022), Spielfilme (u.a. Sisi & Ich, 2023, sowie die ‚Ikonen-Trilogie‘ des chilenischen Regisseurs Pablo Larraín: Jackie mit Natalie Portman, 2016, Spencer mit Kristen Stewart, 2021, und Maria mit Angelina Jolie, 2024), Serien, Doku/fiction und Social Media.