Kurzbeschreibung
In Literatur, Popkultur und Politik artikulieren sich gegenwärtig jüdische Stimmen und Positionen die das Erinnerungstheater und den Antisemitismus der deutschen Mehrheitsgesellschaft und mediopolitischen Hegemonie provozieren, kritisieren und aufmischen. Dabei entstehen literarische und popkulturelle Texte, die Erinnern und Diversität, Rassismus- und Antisemitismuskritik und intersektionale Identitätspolitik ernst nehmen und im Erzählen, Fabulieren und Dichten Gegendiskurse und Fluchtlinien anderer Sag-, Sicht- und Wissbarkeiten sowie neuer Subjektivitäten entwerfen, auffalten und erproben. Das Seminar wird  ein möglichst breites Spektrum an literarischen und popkulturellen Stimmen erschließen. Gelesen werden die Debütromane Winternähe von Mirna Funk und Außer sich von Sasha Marianna Salzmann. Beschäftigen wird sich das Seminar mit den Gedichtbänden DruckkammernJubeljahre und Grenzwerte von Max Czollek. Diskutiert werden soll Oliver Polaks Bestseller und Bühnenprogramm Ich darf das, ich bin Jude sowie sein Buch Gegen Judenhass. Zudem soll der zweite Roman Machloikes der Teilacher-Trilogie von Michel Bergmann gelesen und der auf den ersten beiden Büchern der Trilogie basierende Spielfilm Es war ein einmal in Deutschland als Gegengeschichtschreibung gemeinsam gesichtet werden. Das Seminar ist offen für weitere Lektürevorschläge. So könnte man sich mit den Texten des Rappers Ben Salomon oder mit der Comedy Open Therapy von Shapira Shapira beschäftigen. Unabdingbar wird auf jeden Fall die Lektüre und Diskussion einzelner Beiträge der Zeitschrift Jalta. Positionen zur jüdischen Gegenwart sein. Die Zeitschrift zählt zu den gegenwärtig avanciertesten kulturtheoretischen, gesellschaftskritischen und kulturpolitischen Foren.

Lernziele/Kompetenzen
Es werden exemplarisch aktuelle literaturtheoretische Fragestellungen im Kontext von Diversität und Gender erarbeitet sowie literarisches und mediales Grundwissens anhand von Werke der Gegenwartsliteratur ausgebaut und vertieft. Die Studierenden werden literarische, televisive und filmische Texte in ihren aktualhistorischen Kontext einordnen und reflektieren sowie in Beziehung mit ihrem diskursiven Umfeld setzen; sie vertiefen ihre Sensibilität für Heterogenität.

Inklusionsanteil
Das Seminar kann als Veranstaltung mit inklusionsorientierter Perspektive gewählt und absolviert werden.

Teilnahmemodalitäten/Voraussetzungen
Große Lesefreude und Lust auf vielfältige Lektüren. Darüber hinaus wird die Bereitschaft zu Gruppenarbeit und zur Erarbeitung einer Präsentation in enger Ab- und Rücksprache mit dem Dozenten vorausgesetzt.

Studienleistung/Modulprüfung
Für die Studienleistung muss eine fachwissenschaftliche 5-seitige Reflexion der in Gruppenarbeit erstellten Präsentation geschrieben werden / Mündliche BLS-Prüfung

Eignung für das Studium der angewandten Literatur- und Kulturwissenschaften
Das Seminar ist insbesondere auch für die Studierenden der Angewandten Literatur- und Kulturwissenschaften geeignet, da es um das komplexe Verhältnis von Literatur, Kultur, Gesellschaft und Politik, Repräsentation und Identitätspolitiken, sowie um Antisemitismus, Rassismuskritik und Diversität geht.

Für das Seminar anzuschaffende Literatur:
Mirna Funk: Winternähe, Frankfurt am Main: S. Fischer 2015 (ISBN 978-3-596-03348-5) [10,90 Euro];
Sasha Marianna Salzmann: Außer sich, Berlin: Suhrkamp 2018 (ISBN 978-3-518-46926-2) [12,00 Euro];
Oliver Polak: Ich darf das, ich bin Jude, Köln, Kiepenheuer & Witsch 2012 (ISBN 978-3-462-04050-0) [8,99 Euro];
Michel Bergmann: Machloikes, München: dtv 2013 (ISBN 978-3-423-14214-4) [9,90 Euro]
Max Czollek: Grenzwerte, Berlin: Verlagshaus Berlin 2019 (ISBN 978-3-945832-34-9) [17,90 Euro];