Kurzbeschreibung
Der Klimawandel ist spätestens seit 2009 als wichtiges Umweltthema in der Schule etabliert. Den Vorgaben der Bundesländer zufolge soll das Thema in mehreren Unterrichtsfächern und über alle Altersstufen, von der Grundschule bis zur Sekundarstufe II, behandelt werden. Die bisherige Integration des Themas Klimawandel in die Schulpraxis ist vor allem natur- und sozialwissenschaftlich ausgerichtet. Didaktische Konzepte und Unterrichtseinheiten für das Fach Deutsch und den Literaturunterricht gibt es so gut wie nicht. Das Seminar möchte fachdidaktische Perspektiven aufzeigen, wie der Literaturunterricht und die Film- bzw. Medienbildung zur schulischen Herausforderung, Handlungs- und Bewertungskompetenzen für den Themenkomplex Klimawandel und Klimaschutz zu vermitteln, beitragen können. In einem ersten theoriegeleiteten Block wird das Seminar die beiden literatur- und kulturwissenschaftlichen Ansätze der generativen Diskursanalyse und der Poetik des Wissens erarbeiten und deren Konzepte und Begriffe für die Schulpraxis operationalisieren. Beide Ansätze verneinen die Trennung von Wissenschaft und Literatur. Stattdessen untersuchen sie, wie beide Bereiche gleichermaßen an der Herstellung von Wissensgegenständen beteiligt sind und durch welche Repräsentations- und Inszenierungsformen sowie Narrativierungen und Symbolisierungen die kulturellen bzw. gesellschaftlichen Objekte des Wissens ermöglicht und fabriziert werden. Mit dem entsprechenden literatur- und kulturtheoretischen Analyseinstrumentarium werden dann in einem zweiten Schritt Medienanalysen zum Diskurskomplex Klimawandel durchgeführt. Hierbei werden die Printmedien, das Nachrichten- und Dokumentarfernsehen und das Internet berücksichtigt. Ein Fokus soll dabei auf der „fridays for future“-Bewegung liegen. Zum einen soll sie als diskursiver Effekt des mediopolitischen Klimawandeldiskurses analyisiert werden. Zum anderen soll die einhegend-normalisierende Diskursivierung und Visualisierung durch Medien und Politik untersucht werden. Auf den Medienanalysen aufbauend wird das Seminar in einem dritten Block literarische und filmische Texte analysieren, die sich dem Klimawandel widmen. Das literarische Spektrum wird dabei sowohl narrative als auch lyrische Texte und Bilderbuchgeschichten umfassen. In einem abschließenden vierten Block wird das Seminar Unterrichtsmaterialien erstellen und Aufgaben für einen handlungs- und produktionsorientierten Literatur- und Medienbildungsunterricht entwickeln.
Das Seminar richtet sich an MA-Lehramtsstudierende aller Profile (GyGe, BK, HRSGe, SP und G).
Lernziele/Kompetenzen
Kriterien zur Auswahl von Texten und Medien in didaktischen Prozessen bezogen auf differenzierte Schulformen entwickeln und Methoden zu ihrer Vermittlung reflektieren. Theorien und Konzepte zu Vermittlungs- und Aneignungsprozessen von Literatur und Medien kennenlernen, reflektieren und erproben. Sie können unterschiedliche Texte und mediale Formate im Hinblick auf ihre Verwendung im schulischen Kontext bewerten, analysieren und in Lehr-/Lernkonzepte umsetzen. Sie kennen verschiedene Vermittlungs- und Aneignungsformen und können diese adressatengerecht sowie theoretisch begründet einsetzen.
Teilnahmemodalitäten/Voraussetzungen
Sie müssen in den Masterstudiengang eingeschrieben sein. (Beachten Sie bitte die Einschreibefristen unter Coronabedingungen.)
Studienleistung/Modulprüfung
Als Studienleistung ist eine fachwissenschaftliche 5-seitige Reflexion der in Gruppenarbeit für das Seminar erstellten Präsentation zu schreiben.
Die Modulprüfung kann aufgrund der Überkreuzregelung entweder als mündliche Prüfung (45 Minuten) oder als schriftliche Konzeptarbeit (15 Seiten) absolviert werden.
Eignung für das Studium der angewandten Literatur- und Kulturwissenschaften
Das Seminar ist insbersondere auch für die Studierenden der Angewandten Literatur- und Kulturwissenschaften geeignet, da es um den Zusammenhang von Kultur und Wissen, um das komplexe Verhältnis von Wissenschaft, Literatur, Medien, Gesellschaft und Politik sowie um die Beziehung zwischen Spezial- bzw. Expertenwissen und Wissenspopularisierung geht.
- Lehrende:r: Matthias Thiele