In diesem Blockseminar soll der Essay als (literarische) Gattung hinsichtlich seiner Form, Ästhetik und Gattungsgeschichte untersucht werden. Der Essay, so schreibt Heinz Schlaffer im Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft „ist der schriftliche Diskurs eines empirischen (d. h. nicht-fiktionalen) Ichs über einen kulturellen Gegenstand, dessen Aspekte durch subjektive Erfahrung erschlossen worden sind und für den gleichwohl das allgemeine Interesse gebildeter Laien gewonnen werden soll.“ (Schlaffer 2007, 525). Der Essay verbindet also autobiographische und reflexiv-theoretische Schreibweisen. Seine Geschichte wird konventionellerweise von Michel de Montaignes genrebildenden Essais (1572-1592) über Francis Bacon, Denis Diderot, Friedrich Schlegel, Friedrich Nietzsche, Georg Lukacz und Theodor W. Adorno erzählt (vgl. Zima 2012, auch Lentz 2016), also als eine Geschichte männlicher Autorschaft konzipiert. Diese recht homogene Literaturgeschichtsschreibung wollen wir im Seminar reflektieren und mit einer diversitätssensiblen Perspektive ergänzen. Außerdem sollen anhand exemplarischer Essays – etwa von Virginia Woolf, Simone Weil, Hannah Arendt, Theodor W. Adorno, Christa Wolf, Hans Magnus Enzensberger, Yoko Tawada und Carolin Emcke – ästhetische und formale Konturen des Essays als einer Gattung im Dazwischen insbesondere fürs 20. und 21. Jh. ausgelotet werden.